Die Erinnerung darf nicht enden!
Folgende Worte wählte Bundespräsident Roman Herzog vor genau 30 Jahren als er den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus erklärte:
Erinnern und gleichzeitig in die Zukunft wirken - genau das wollten wir im Rahmen des Bekenntnisses "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" auch tun und gestalteten den 27. Januar erstmals mit verschiedenen Projekten zum Thema Rassismus, Diskriminierung, Ausgrenzung - aber auch Mitwirkung, Demokratieentwicklung und Gesellschaftsgestaltung.
Unsere Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 8 nahmen an Workshops des Vereins Tüpfelhausen e.V. teil und beschäftigten sich in erster Linie mit historischem und gegenwärtigem Antisemitismus. Dabei lernten sie nicht nur lokalgeschichtliche Hintergründe rund um den jüdischen Sportverein Bar Kochba Leipzig (1919 - 1939) kennen, sondern setzten sich altersgerecht mit Vorurteilen, Ausgrenzung und antisemitischen Denkmustern in unserer heutigen Gesellschaft auseinander. Auch die Klassenstufe 10 thematisierte Stereotype und Diskriminierung und arbeitete sowohl mit der Friedrich-Ebert-Stiftung als auch dem Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. zusammen. Die Jugendlichen gingen zunächst in den Austausch über Assoziationen, Vorwissen und möglicherweise eigenen Erfahrungen und hatten dann die Aufgabe, einen Perspektivwechsel durchzuführen, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entdecken und die Notwendigung von Demokratie zu erkennen.
Für die Sekundarstufe II durften wir Christian E. Weißgerber aus Berlin an unserem Gymnasium begrüßen. Der ausgebildete Kulturwissenschaftler und Philosoph war in seiner Vergangenheit selbst in der Thüringer Neonazi-Szene aktiv und berichtete offen und ehrlich von seinen eigenen Erfahrungen im Milieu, dem Ausstieg und Entwicklungen in der aktuellen politischen Landschaft. Unsere Oberstufenschülerinnen und -schüler konnten all ihre Fragen zu Weißgerbers Biografie loszuwerden und tauschten sich dann mit ihm über Extremismusgefahren, der Rolle von Medien und sozialen Netzwerken in Radikalisierungsprozessen sowie Deradikalisierungstaktiken und alltäglichen Gegenstrategien aus.
Am Ende des Tages verließen unsere Gymnasiasten die Schule nicht nur mit neuem Wissen: was bleibt sind vermutlich vor allem viele - auch emotionale - Eindrücke sowie ein Blick auf eigene Handlungsoptionen und die Verantwortung eines Jeden bei der Entwicklung und Stärkung der Demokratie. So möchte unser Gymnasium einen Beitrag zur politischen Bildung leisten und unsere demokratischen Werte in den Mittelpunkt rücken. Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Referenten vom Verein Tüpfelhausen e.V., der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. sowie Christian E. Weißgerber für die Ausgestaltung der Workshops und die Arbeit mit unseren Jugendlichen, die jetzt mit der Erfahrung der Erinnerung in die Zukunft wirken können.
Christina Asmus
Projektleitung "Schule ohne Rassimus - Schule mit Courage"





